Die Oase Siwa

 

 

Geografie

 

Die Oase Siwa ist ein kleines Paradies mit einer überwältigenden Fauna, 590 km südwestlich von Alexandria inmitten der Wüste, zwischen einer Felswüste im Westen, einer Sandwüste im Osten und der Kattara-Senke im Nordosten.

 

ShaliSiwa befindet sich in einem geschlossenen Becken, dessen tiefster Punkt 17 m unter NN liegt. Siwa erstreckt sich über eine Fläche von 750 km² und hat in Ost-West-Richtung eine Länge von 80 km und in Nord-Süd-Richtung eine Breite von 25 km.

 

Das Städtchen Siwa ist recht jungen Datums. Es liegt unmittelbar östlich von Shali, einer typischen Bergfestung der Sahara, welche dem dortigen Berbervolk als Wohn- und Wehrstadt diente, dann aber bei einer Umweltkatastrophe im Jahr 1926 schwer zerstört worden war und nach und nach aufgegeben wurde.

 

Die planmäßige Umsiedlung der Bevölkerung von Shali nach Siwa begann 1944. Im Jahre 1962 erhielt Siwa das Stadtrecht.

 

Östlich der Festungsruine Shali befindet sich der Marktplatz von Siwa. Nördlich dieses Marktes befinden sich die meisten öffentlichen Einrichtungen wie Moscheen, Rathaus, Polizei, Busterminal, Bank, Krankenhaus, Postamt, Telefonamt, Touristeninformation und Kulturhaus mit einem Theater.

 

OasenkernNördlich und östlich des Marktplatzes befindet sich auch der Großteil der Gaststätten, Hotels, Arztpraxen, Apotheken, Minimärkte, Internet-Cafes sowie einer Tankstelle. In Süden der Stadt sind weiträumige Sportanlagen zu finden.

 

Die Stadt ist nicht sehr groß. Der meiste innerstädtische Transport von Personen und Sachen wird auch heute noch mit Eselskarren bewältigt.

 

Gesellschaft top

 

Die Bewohner von Siwa sind Berber, vermischt mit Beduinen und Nachkommen sudanesischer Sklaven. In der Oase leben insgesamt etwa 25 000 Einwohner, verteilt auf sechs Siedlungen, von denen die Stadt Siwa mit etwa 12 000 Einwohnern das wirtschaftliche Zentrum der Oase bildet.

 

BevölkerungDie übrigen Orte sind Aghurmi, Abu Shuruf, Kamisa, Balad al Rum, und Bahi al Din, in nach Bevölkerung absteigender Folge.

 

In Siwa wird die Berbersprache Siwi gesprochen. Somit ist die Oase die einzige berberische Sprachinsel Ägyptens mit einer eigenständischen kulturellen Entwicklung.

 

Die Sitten und Gebräuche der Bewohner von Siwa, die sie sich bis heute erhalten haben, erscheinen selbst für Ägypter fremd. Diese Kultur findet ihren Ausdruck u. a. in einem reichhaltigen und einzigartigen Angebot an handwerklichen Produkten, etwa traditionelle Kleider und Silberschmuck, Teppiche, Körbe und anderes Mobiliar für den Haushalt.

 

Eine eindrucksvolle Sammlung dieses besonderen kulturellen Stils findet sich neuerdings in einem kleinen Museum im Stadtzentrum ausgestellt.

 

FreitagsmarktSchon seit frühen pharaonischen Zeiten bilden Dattel- und Olivenkulturen die Lebensgrundlage der Oasenbewohner. Heute schätzt man die Zahl der Dattelpalmen auf 300 000 und die der Olivenbäume auf 70 000.

 

Für den lokalen Verbrauch werden gleichfalls Gemüse, Feigen, Trauben, Aprikosen, Orangen und andere Agrarprodukte angebaut.

 

Geschichte top

 

Der Name Siwa leitet sich aus dem altägyptischen ‚Sekhetam’ ab und bedeutet Palmenland.

 

DattelpalmenDie Oase Siwa blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Feuersteinfunde aus dem Neolithikum belegen, dass die Oase sehr früh besiedelt wurde. Zur Zeit der Pharaonen lag sie im Grenzgebiet zwischen den ägyptischen und den libyschen Völkern.

 

Die heute älteste vorhandene Ruine, der Orakeltempel von Amun, stammt aus der Zeit der 26.Dynastie der Pharaonen (663 - 525 v. Chr.) und wurde von König Amosis gebaut. Der Amun-Kult hatte lange Zeit sehr großen Einfluss auf die Menschen des Mittelmeergebietes.

 

Der Perserkönig Kambyses wollte Siwa besetzen und den Tempel zerstören. Dieser Versuch wurde aber von der Bevölkerung Siwas vereitelt. Nach diesem Feldzug gewann Siwa gegenüber anderen Orakeln (sogar dem von Delphi) noch mehr an Bedeutung und wurde regelmäßig von Persönlichkeiten der Antike aufgesucht.

 

Orakel-TempelSo kam 331 v. Chr. Alexander der Große nach Siwa, um sich als Herr der Welt bestätigen zu lassen. Obwohl das Orakel bereits 23 v. Chr. als nahezu aufgehoben galt, war der Tempel 160 n. Chr. immer noch in Betrieb.

 

Das endgültige Ende des Orakelbetriebs wird auf das 3. bis 4. Jahrhundert n. Chr. datiert. Der Tempel wurde im 6. Jahrhundert durch die antiheidnische Politik des römischen Kaisers Justinius stillgelegt.

 

Christliche Elemente sind in Siwa seit dem 4. Jahrhundert zu finden. Während des 6. und 7. Jahrhunderts war die Oase Siwa Schauplatz schwerer kriegerischen Auseinandersetzungen.

 

Totenberg640- 42 n. Chr. eroberten muslimische Heere Ägypten und verbreiteten den Islam im Lande. Aber die westliche Wüste blieb davon verschont. Erst im 11. Jahrhundert wurde das Christentum durch den Islam aus Siwa verdrängt. Andere Quellen besagen, dass dies gänzlich erst im 14. Jahrhundert geschah.

 

Ohne das ‚Siwa-Manuskript’ von dem Briten Brown 1792 würden alle Informationen bis 1792 über die Oase fehlen. Dieses Manuskript enthält sehr genaue Fakten und Ausführungen, so dass keine Zweifel an der historischen Genauigkeit aufkommen können. Seit dem Besuch von Brown 1792 gibt es genaue Aufzeichnungen von der Oase.

 

Kleopatrabad1820 wurde Siwa in das ägyptische Staatsgebiet einverleibt. Seit der Eingliederung gab es immer wieder Aufstände der Siwaner, die alle von den ägyptischen Machthabern niedergeschlagen wurden.

 

Auch während des Ersten und Zweiten Weltkriegs war Siwa immer wieder Frontplatz der internationalen Kriegsteilnehmer (Italiener, Türken, Deutsche, Engländer).

 

1911-12 besetzten die Italiener Teile Libyens. Sie stießen aber auf gewaltige Gegenwehr vom Stamme der Sinusi, einem Stamm, der sich zeitweise in Siwa niederließ. So wurde auch Siwa in diesen Konflikt einbezogen.

 

Amun-TempelDer Konflikt eskalierte, als die Sinusi und die Türken während des Ersten Weltkriegs den Italienern und Engländern den Krieg erklärten.

 

Während des Zweiten Weltkriegs war Siwa der südlichste Punkt der britischen Landesverteidigung gegen die Italiener in Libyen. Im Juli 1942 besetzten italienische Truppen Siwa.

 

Nach dem Besuch des deutschen Afrikakorps unter Rommel am 21. September 1942 erfolgte der Abzug Italiens bereits im November 1942.

 

Die moderne Entwicklung der Oase Siwa beginnt mit einem Besuch des ägyptischen Präsidenten Mubarak im Jahre 1996.